Freitag, 28. Februar 2014

Dinieren in völliger Dunkelheit

Reaktionen: 
Es war ein Geburtstagsgeschenk an meinen Liebsten - Ein Gutschein für das Dunkel-Restaurant "Nocti Vagus" in Berlin. Es wurde ein aufregender und unvergesslicher Abend voller neuer Eindrücke. 

Geschenk-Gutschein - Nocti Vagus


Liebe Leserinnen und Leser :) 


Heute möchte ich Euch von einem wundervollen Abend erzählen, den ich mit meinem Freund und Freunden von uns erlebt habe. Es ging nämlich Anfang Februar ins Dunkel-Restaurant "Nocti Vagus" in Berlin (www.noctivagus.com). 

Gemeinsam sind wir stark und trauen uns das! Klingt irgendwie merkwürdig, aber es benötigt schon ein wenig Überwindung. Schließlich lässt man sich auf ein Abenteuer ein, bei dem man auf einen, meiner Meinung nach enorm wichtigen, der fünf Sinne verzichtet: das Sehen! 

In der Lounge (noch beleuchtet): 
Aber alles beginnt ganz chillig. Wir werden in einer sehr angenehmen und hübschen Lounge empfangen, die (noch) beleuchtet ist. Bereits hier riecht es wunderbar lecker nach Essen. Das macht Appetit. Wir wählen aus der Menükarte eines der 4 Menüs aus und bestellen unsere ersten Getränke. Die Menüauswahl ist vollkommen ausreichend, auch wenn manch einer sagen würde, dass 4 Menüs schon sehr einschränkend sind. Aber es gibt ein Vegetarisches-, ein Geflügel-, ein Rindfleisch- und ein Überraschungsmenü (hier sind die Menüs in der Übersicht: www.noctivagus.com/menues). Ich habe mich für das vegetarische Menü entschieden, da ich bei Fleisch sehr mäkelig sein kann. Der Kellner kommt und bringt ein Amuse Gueule (ein Willkommensgruß aus der Küche). Vorher hat er mich noch gefragt ob ich Vegetarierin bin, da ich ja das vegetarische Menü gewählt habe (oh sehr aufmerksam!), da das Amuse Geuele nicht vegetarisch ist. Das Amuse Geuele ist eine Eisbeinpraline mit einem Ingwer-Cremesüppchen, wenn ich mich richtig erinnere. Die Praline war sehr lecker! Das Süppchen war mir ein wenig zu scharf, um es komplett zu essen. 

Anschließend bekommen wir eine Einführung in die gesamte Thematik. Nocti Vagus ist lateinisch und bedeutet so viel wie Nachtschwärmer. Es wird uns erläutert, was es zu beachten gibt, wie wir uns (im Dunkel-Restaurant) zu verhalten haben, und so weiter. Uns wird gesagt dass jegliche Geräte, die Licht erzeugen können tabu sind. Also Handys aus, Uhren mit leuchtenden Zeigern oder gar mit Beleuchtung bitte abnehmen und in der Tasche verstauen. Uns werden der Name unseres Begleiters (und Kellners) und unsere Tischnummer genannt. Unser Begleiter heißt Wolfgang und unsere Tischnummer ist die 11. Informationen, die ich wahrscheinlich nie wieder vergessen werde ;). Denn diese beiden Informationen sollen wir uns unbedingt merken! Schließlich dürfen und können wir ja nicht einfach aufstehen und losgehen, wenn wir in einem stockfinsteren Raum sind. Also wir könnten schon, aber ich glaube wirklich weit kommen würden wir nicht. Daher sollen wir, wenn wir irgendwas brauchen oder wir raus wollen/müssen, "WOLFGANG!" rufen, damit dann Wolfgang weiß, dass wir etwas von ihm wollen. Ist ja logisch, er sieht ja nicht, dass unser Getränk leer ist oder sonst was. Ok, das sind also quasi die Spielregeln. Also kann es ja los gehen. 

Auf dem Weg in den Dunkelraum (über die Lichtschleuse):
Es geht in den Keller. An der Garderobe vorbei in einen Raum, der Lichtschleuse genannt wird. Hier wird uns erklärt, dass wir eine Reihe bilden sollen und jeder seine linke Hand auf die linke Schulter seines Vordermanns bzw. seiner Vorderfrau legen soll. Ich stehe natürlich vorne... hm, ich lege also meine rechte(!) Hand in die Hand des Kellners (der uns in der Lounge bedient hat). Das Licht geht aus.

Ab hier sind wir blind:
Eine Tür öffnet sich, meine Hand wird weiter gereicht an eine andere Hand. Die Hand spricht: "Hallo! Ich bin Wolfgang, ich bin ihr Begleiter für heute Abend. Und los gehts.". Die Hand zieht mich nach vorne. Ich folge. Es ist wirklich stockduster! Man sieht null. Ich habe ein wenig Angst, dass ich über irgendwas stolpere oder gegen irgendwas laufe. Aber es klappt erstaunlich gut und ich komme heil an meinem Stuhl an, denn die Hand, also Wolfgang, nimmt meine Hand aus seiner und legt sie auf meinen Stuhl. Puh. Angekommen. Ich bleibe noch stehen, da meine Abenteuergruppe, die ja an mir hing, auch noch ihre Stühle gezeigt (naja, eher ertastet) bekommt. Dabei geht etwas schief, meine Freundin ertastet anscheinend den falschen Stuhl und will sich an den Nachbartisch setzen... Oh. Wolfgang bemerkt es jedoch, warum und wie auch immer, und zeigt ihr ihren Stuhl an UNSEREM Tisch. Damit sitzen wir vier an unserem Tisch Nummer 11 und haben es erst einmal geschafft. 

Am Tisch (in völliger Dunkelheit):
Jetzt wird der Tisch ertastet. Ah, eine Serviette direkt vor mir. Rechts daneben Messer und Gabel (oder war die Gabel einzeln auf der linken Seite der Serviette?! So genau weiß ich das irgendwie gar nicht mehr...). Und über der Serviette ein Dessertlöffel. Ich stelle mein Getränk, das ich mit runter genommen habe, so hin, dass ich es wieder finde, ohne es umzuwerfen. So weit so gut. Die Situation an sich ist sehr witzig. Wir lachen über jede Kleinigkeit... und kommunizieren auch jede Kleinigkeit. Schließlich sehen die anderen ja nicht, was ich gerade mache und man fühlt sich quasi verpflichtet den anderen mitzuteilen, was man gerade ertastet hat. Die ersten fünf Minuten (oder so, man kann ja nicht auf die Uhr gucken ;) ) sind wir eigentlich damit beschäftigt erst einmal "anzukommen" und uns an die Dunkelheit zu gewöhnen. Es spielt im Hintergrund eine angenehme Musik, man hört noch ein paar andere Leute sprechen - wir sind anscheinend nicht alleine. 

Dann kommt die Stimme, Wolfgang, wieder an unseren Tisch und bringt die Vorspeise. Es wird abgeklärt wo welches Menü gewählt wurde und jeder erhält seinen Teller vor die Nase gestellt. Es duftet total lecker. Aber jetzt wird es schwierig. Schließlich weiß man erstens nicht, wie die ganze Sache angerichtet ist. Und zweitens blind auf einem Teller an sich herumstochern ist schon eine Herausforderung! Selbst wenn man wissen würde wie das ganze angerichtet ist. Aber nach einem kurzen Abtasten geht es dann erstaunlich gut. Es ist total lecker. Ich hatte einen mediterranen Gemüsestrudel mit Orangensauce und frisch zubereiteten Gemüsetalern. Und das war sowas von saulecker, dass man es eigentlich nur genossen hat, und sich nicht wirklich Gedanken über das "Wie-esse-ich-das-jetzt-am-Besten?" gemacht hat. Ja ok, ich habe einen Teil meines Gerichtes vom Teller geschoben, was ich dann als ich der Meinung war, dass ich fertig bin, gemerkt habe, aber mein Gott, es hat ja keiner gesehen ;) Zwischendrin kam die Stimme, Wolfgang, noch einmal an unseren Tisch und stellte 2 Brotkörbe hin. Jeweils zwischen einem Pärchen. Und was passiert mir natürlich in dem Moment als ich nach dem Brot greifen will, ich tauche meine Finger in den Dip ein, der ebenfalls in dem Brotkorb stand. Naja. Hat ja wieder keiner gesehen ;) Und selbst das Brot war einfach nur lecker! Nach dem wir mit dem ersten Gang fertig waren kommt Wolfgang wieder und räumt den Tisch ab. 

So gings dann mit dem zweiten und dritten Gang weiter. Jedoch wird man mit jedem weiteren Happen, der den Mund erreicht, immer besser. Mein Hauptgang hat mir nur einen kleinen Streich gespielt. Ich hatte eine Tempeh-Auberginen-Lasagne mit Pak-Choi, würzigem Käse und geröstetem Sesam. Und der Käse hat jedes Mal das Stück, das ich zum Mund führen wollte wieder zurück auf den Teller gezogen - fieser Käse! Nach und nach gings dann aber und auch diese Teller wurden leer. Zwischendrin haben wir eine weitere Runde Bier bestellt. Und die Übergabe war so spielend leicht... das konnte ich mir vorher gar nicht wirklich vorstellen. Aber da die Begleiter in dem Dunkelraum alle entweder blind oder sehbehindert sind, wissen die natürlich auch was sie da machen. Wolfgang kam mit dem vollen Glas, meinte: "Ich geb ihnen das jetzt in die Hand.", er griff nach meiner Hand, die ich ihm sozusagen hinhielt und er drückte mir das bauchige Glas in die Hand. Fertsch. Und alle glücklich. 

Die Geräuschkulisse im Dunkelraum:
Nach und nach füllte sich das Restaurant. Es wurde immer lauter... aber es hat irgendwie nicht wirklich gestört. Spannend dabei war, die gesamte Geräuschkulisse wahrzunehmen. Zwischendurch sang jemand immer mal wieder, dann machte jemand ein Klick-Geräusch, wiederum ein anderer brabbelte die ganze Zeit lustige Sachen vor sich hin. Und diese Geräusche bewegten sich. Das waren anscheinend die Kellner und Kellnerinnen, die sich somit bemerkbar machten, damit sie sich nicht gegenseitig über den Haufen rennen. Schließlich sind sie die einzigen beweglichen Teile in diesem Szenario. Sehr spannend das Ganze. 

Der Raum an sich:
In der Wartezeit zwischen Hauptgericht und Dessert haben wir versucht uns den Raum vorzustellen. Ich saß quasi mittig, am Gang. Meine Freundin und ihr Mann saßen beide an einer Wand. Sie ertasteten Rohre und Ecken, die jedoch nicht wirklich Sinn ergaben. Der Raum "klang" ziemlich groß. Wir hatten ja besagten Tisch Nummer 11... und es waren in der Zwischenzeit sooooo viele Menschen dazu gekommen (wie wir später erfahren haben, waren schließlich alle Plätze besetzt). Wir hätten den Raum gerne mal im Hellen gesehen... und damit unsere Wahrnehmung (ohne das Sehen) verglichen. Jedoch blieb uns das leider verwehrt. Eigentlich ist es ja auch total unwichtig, wie der Raum geschnitten ist und wie er aufgeteilt ist und wie er schließlich aussieht, aber der Mensch will ja immer das was er nicht bekommt...

Das mit dem "Nur-Schmecken-Nicht-Sehen":
Unsere Nachspeise kam dann als krönender Abschluss. Und ich sage nur "Hmmmmmmmmleckaaaaaaa!!!!". Ich hatte ein Apfel-Schweden-Törtchen an Kirschsorbet. Da brauch ich ja nicht mehr viel dazu schreiben ;) Obwohl mir hier etwas aufgefallen ist. Bei dem Kirschsorbet war ich mir geschmacklich nicht sicher. Es hat meiner Meinung nach, nach Zitrone geschmeckt... hm. Entweder die Küche hat sich vertan, was ich ehrlich gesagt nicht denke... sondern dass mich eher meine Geschmacksnerven ein wenig veräppelt haben. Benötigt man zum schmecken eines Kirschgeschmacks das Sehen der roten Farbe?! Das Sorbet schmeckte halt so ein bissel sauer... und damit habe ich Zitrone in Verbindung gebracht. Hm. Ich bin da noch nicht so richtig schlau draus geworden... 

Meine Menüauswahl war wirklich perfekt. Aber auch die Geflügel- und Rindfleisch-Menüs waren wohl sehr sehr lecker. 

Die Gruselshow im Anschluss an das Dinner: 
Im Anschluss an das Dinner hatten wir noch die Gruselshow "gebucht". Und die ist wirklich super genial und eigentlich total einfach umgesetzt! 

(Achtung: Spoilerwarnung... wer das selber für sich erleben will und nichts vorher wissen will, sollte jetzt aufhören zu lesen ;) ) 
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Es beginnt mit einem Hörspiel. Es wird eine Gruselgeschichte erzählt. Dann wird Horrormusik gespielt (Halloween-Theme etc.) und ich bin der Meinung, Lichter bzw. ein Leuchten zu sehen. Oder spielen mir meine Augen einen Streich?! Das Leuchten bewegt sich und hier und da schreit jemand auf (andere Gäste). Und das erschreckte Aufschreien kommt immer näher, von Tisch zu Tisch. Bis es bei uns ist - aus dem Nichts erscheint auf einmal vor meinem Gesicht eine fluoreszierende Hand! Ich höre eine Kette rasseln und ein ständiges Schlagen gegen einen Käfig oder so... Auf einmal spüre ich einen Lufthauch und eine leichte Berührung am Kopf. Ich duck mich instinktiv. Ich sehe eine weiteres Leuchten. Es kommt immer näher. Bis es auf einmal aus dem Nichts vor meinem Gesicht auftaucht - buh! Ein fluoreszierendes Gesicht. Ich höre ein gruseliges Lachen. Ich höre Schreie. Ich sehe aber nichts! Außer ein erneutes fluoreszierendes Etwas, das sich auf uns zu bewegt. Ich merke auf einmal wie jemand hinter mir steht - ja man merkt sowas!!!!! - und auf einmal piekst es mich in die Seite... Hihi, das kitzelt doch! Ich spüre Hände unter dem Tisch, die an meinen Beinen hoch und runter fahren (nur vom Fuß an bis zum Knie, also NIX unanständiges ;) ). Die rasselnde Kette kommt immer näher, und das Klopfen bewegt sich mit ihr mit. Es bewegt sich an uns vorbei... Und wieder Hände unter dem Tisch. Dann ein lauter Knall, wieder ein gruseliges Lachen und alles ist vorbei. Die Geschichte wird zu Ende erzählt und zum Schluss wird auf einmal ein Lied von Udo Jürgens (ich bin mir leider nicht mehr so sicher welches Lied es genau war, aber ich glaube es war "Aber bitte mit Sahne") gespielt. 
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(Spoiler-Warnung zu Ende ;) ) 

Udo Jürgens - Aber bitte mit Sahne :)




Die Gäste singen lauthals mit und applaudieren anschließend. Die angenehme Musik wird wieder eingeschalten. Wir trinken unsere Gläser leer, rufen "Wolfgang" in den Raum, er kommt sofort an unseren Tisch und wir bitten ihn, uns raus zu leiten. In der Lichtschleuse angekommen, bedanken wir uns bei Wolfgang. 

Danach: 
Draußen im Licht wirkt alles vollkommen surreal. Meine Augen müssen sich erst einmal daran gewöhnen wieder etwas zu sehen. Das Licht, welches eigentlich nur ein dämmriges ist, wirkt viel zu hell und grell. Ich kneife meine Augen reflexartig zusammen, um überhaupt etwas zu sehen... Wirklich ein sehr merkwürdiges Gefühl. 
Schließlich gehen wir noch einmal alle aufs Toi Toi, holen dann unsere Jacken und Mäntel an der Garderobe ab (für die man übrigens 1.50€ pro Stück zahlt, und das Geld geht dann wohl an irgendeine gemeinnützige Sache, glaube ich), gehen hoch in die Lounge, klären die Bezahlung ab und verlassen glücklich und zufrieden das Nocti Vagus - Berlins erstes Dunkel-Restaurant. Wir vier sind uns einig: Eine wirklich empfehlenswerte Sache und es ist einfach ein Abenteuer für die Sinne. 

Die Preise: 
Jetzt seid ihr bestimmt noch gespannt wie viel uns dieser Abend gekostet hat. Hier kommen die knallharten Fakten: 

Pro Person: Menü inklusive Show: 49€ (Getränke kommen also noch dazu)
Der Getränkepreis ist akzeptabel: Das Bier 0,5l für 3,90 € ist wirklich okay. 

Das wirkt alles auf den ersten Blick relativ teuer. Aber man bekommt wirklich einen ganzen Abend lang Unterhaltung geboten. Auch wenn alleine das Essen Unterhaltung genug ist ;) Das Essen war wirklich lecker und dem Preis gerecht. Es handelt sich um eine gehobene Küche, die einfach nur lecker ist. Und alles drumherum ist einfach perfekt abgestimmt. Wir fühlten uns sehr gut aufgehoben und begleitet durch unseren lieben Wolfgang :) Und auch das telefonische Reservieren vorher hat super geklappt. Wirklich EMPFEHLENSWERT!!!!
Und auch das Verschenken eines Gutscheins kommt gut an ;)

Geschenkgutschein


Leider gibt es nicht allzu viele Fotos, aber was sollte ich auch fotografieren ;) Es war ja die meiste Zeit eh dunkel... 

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